Voller Einsatz für wertvollen Kompost und Energie

Teamarbeit hält Vergärungsanlage am Laufen

Stetig laufen die Förderbänder vorwärts, während ein großer Greiferkran Grünschnitt mit Biomüll vermischt. Der modrige Geruch von organischem Abfall liegt in der Luft. Ein engagiertes Team sorgt dafür, dass die Maschinen auf der Vergärungsanlage (VGA) in Framersheim im Landkreis Alzey-Worms jeden Tag 24 Stunden laufen. Dazu gehören sechs Mitarbeiter, ein Auszubildender zum Umwelttechnologen für Kreislauf- und Abfallwirtschaft und der Betriebsleiter. Als gelernte Elektriker, Schlosser und KFZ-Mechaniker bringen die Mitarbeiter viel technisches Know-How mit, um die Anlagen umfassend zu warten.

„Beim täglichen Rundgang lesen unsere Mitarbeiter die Messwerte ab, schauen und hören genau hin, ob alles so läuft, wie es soll. Bei Bedarf stellen sie die Systeme ein oder warten die Maschinen“, erklärt Jörg Bamberger, Betriebsleiter der Vergärungsanlage. Die Kollegen rotieren in den verschiedenen Arbeitsbereichen. „Jeder kann hier alles reparieren und die Anlagen in allen Bereichen bedienen. Alle Informationen über die Wartung müssen im Team weitergegeben werden. Eine gute Teamarbeit ist also sehr wichtig“, erläutert der Betriebsleiter. Die Mitarbeiter leiten den Auszubildenden bei den Reparaturen an und geben technisches Wissen weiter. 

Seit Januar 2000 wird auf der VGA aus den Bioabfällen und dem Grünschnitt der Haushalte des Landkreises Alzey-Worms wertvoller Dünger und sogar Energie gewonnen. Täglich ist das Urteilsvermögen der Mitarbeiter gefragt, die ihren Aufgabenbereich flexibel gestalten können. „Sie müssen die Verunreinigung des Bioabfalls durch Fehlwürfe bewerten und sich überlegen, wie man damit umgeht“, erläutert Bamberger und führt über das Gelände. Die Arbeit sei auch oft herausfordernd, da sie hauptsächlich im Freien und in nichtklimatisierten Hallen stattfindet. „Es gibt Arbeitsbereiche, die im Sommer etwa 50 Grad warm sind. Teilweise muss man körperlich schwer arbeiten“, erklärt der Betriebsleiter. Zudem wechseln sich die Mitarbeiter beim Bereitschaftsdienst ab.

Täglich ab 10.30 Uhr liefern Sammelfahrzeuge Bioabfall aus dem Landkreis an die Vergärungsanlage an. Mit einem Kran nimmt ein Mitarbeiter die Abfälle auf, die anschließend zerkleinert werden. Stoffe wie Plastikfolien oder Textilien werden ausgesiebt, Metalle mithilfe eines Magneten abgeschieden. In zwei geschlossenen Behältern wird der Bioabfall in einem Zeitraum von drei Wochen bei Temperaturen zwischen 51 und 55 Grad fermentiert. „In diesem sogenannten Fermenter werden Keime, Viren, Bakterien und keimbare Pflanzensamen abgetötet, das Material wird hygienisiert“, erklärt Bamberger. Bei der Vergärung entsteht Methangas, aus dem Strom gewonnen wird. Dazu wird das VGA-eigene Blockheizwerk genutzt, dessen Kühlwasser Abwärme zum Beheizen des Fermenters, der Büro- und Sozialgebäude und der Sickerwasserreinigungsanlage der Deponie liefert. „Wir gewinnen so viel Energie aus den Abfällen wie möglich“, unterstreicht Bamberger.

Neben dem Biogas entsteht eine Art Brei, der Gärrest, aus dem Wasser herausgepresst wird. In der Rottehalle wird der Gärrest über Schlitze im Boden belüftet. Zum Trocknen bilden die Mitarbeiter anschließend mehrere Haufen aus dem Gärrest. Innerhalb von 14 Tagen entsteht aus diesen Haufen trockener Kompost mit einem angenehmen erdigen Geruch. Der Kompost unterliegt der Gütesicherung und erhält schon seit über 20 Jahren das RAL-Gütezeichen Kompost. Sechs Mal im Jahr werden dazu jeweils zwei Proben des Bio-Komposts von der Bundesgütegemeinschaft Kompost untersucht. 

Der Betriebsleiter betont: „Es ist wichtig, dass weder Plastik, Glas noch Metalle in den Biomüll geworfen werden, damit es nicht über den Kompost in den ökologischen Kreislauf kommt.“ Denn der Kompost wird an die Mitglieder des Bio-Kompostverbands Alzey verteilt, zu dem Winzerbetriebe und Landwirte gehören. Sie düngen damit ihre Weinberge und Felder. Zudem kostet die Störstoffauslese von Plastiktüten, Glas und Metallen viel Geld, das die Bürgerinnen und Bürger über die Abfallgebühr zahlen müssen. Regelmäßig besuchen Gruppen aus Kindergärten und Schulklassen die Vergärungsanlage. „Die Kinder sagen danach zuhause zu ihren Eltern: ‚Das gehört nicht in den Biomüll!‘ Sie sind somit die besten Multiplikatoren, die wir uns wünschen können“, schildert Bamberger und lacht.